Brasilianische Zeitungsverlage zeigen Google News den Rücken – allerdings nur halbherzig

Die im brasilianischen Zeitungsverband ANJ organisierten Verleger verzichten auf den durch Google News generierten Traffic / Copyright: Montage Besser International, Logos: ANJ/Google

Die im brasilianischen Zeitungsverband ANJ organisierten Verleger verzichten auf den durch Google News generierten Traffic / Copyright: Montage Besser International, Logos: ANJ/Google

Die 154 im brasilianischen Zeitungsverband ANJ (Associação Nacional de Jornais) organisierten Verlage haben sich auf Empfehlung ihres Verbandes hin gemeinsam für eine Abkehr der Listung ihrer Online-Portale bei dem Nachrichtenaggregator Google News (port.: Google Notícias) ausgesprochen. Dies wurde in der vergangenen Woche auf dem Kongress der Inter American Press Association (IAPA) in São Paulo noch mal bekräftigt. (Anm.: Warum machen das eigentlich nicht die deutschen Verleger, wenn sie so ein Problem mit Google News haben?)

Hintergrund ist ein langer Streit mit dem US-Unternehmen, das die Zeitungen für die Nutzung von Überschriften und Textanrissen bei Google News nicht bezahlt. Laut Meinung der brasilianischen Verleger habe Google einen kommerziellen Nutzen von den Qualitätsinhalten, sei aber nicht bereit, diese zu vergüten. Bereits seit Dezember 2010 haben die brasilianischen Zeitungsverlage einen Test mit Google gefahren, nur noch die Überschrift und eine Zeile des Artikels – anstelle eines längeren Textausschnittes – bei Google News anzuzeigen, mit dem Ziel Aufmerksamkeit für das Thema zu erzeugen, ohne zuviel vom Inhalt preiszugeben und somit die User zum Originalartikel zu leiten. Bei diesem Experiment kam jedoch so geringer Traffic zusammen, dass es für die Verlage in keinem Verhältnis steht, Content kostenlos bei Google News zu listen.

Google setzt dem entgegen, dass wenn der Leser bereits zufrieden mit der Headline und dem Textanriss sei, dass dann der Inhalt offenbar nicht ausreichend attraktiv sei, um weiterlesen zu wollen. Außerdem mache Google News die Nachrichten-Portale einem deutlich größeren Publikum zugänglich. Weltweit vermittele Google News über eine Milliarde Klicks zu diesen, so Marcel Leonardi, Googles Public Policy Director. Er stellt einen Vergleich an und sagt, dass es ja auch absurd sei, wenn ein Restaurant von einem Taxifahrer eine Gebühr nehmen würde, wenn er Touristen dorthin zum Essen bringen würde.

Allerdings ist die Absage der brasilianischen Zeitungsverlage an Google News nur halbherzig und nicht besonders glaubwürdig. Die Portale mit dem höchsten Traffic in Brasilien sind nicht die Marken der Tageszeitungen, gehören aber zu Zeitungsverlagen. So ist beispielsweise Brasiliens reichweitenstärkstes Content-Portal UOL Teil der Folha-Gruppe, die die Tageszeitung Folha de S. Paulo herausgibt; die Nummer drei im Markt, Globo.com, gehört zum Globo-Konzern, der u.a. die Tageszeitung O Globo publiziert. Inhalte sowohl von UOL also auch von Globo.com sind aber weiterhin bei Google News aufgeführt (s. Screenshot). Außerdem sind nach wie vor eine Vielzahl brasilianischer Tageszeitungsmarken über Google News zu finden.

In der normalen Google-Suche tauchen die Portale der Tageszeitungen weiterhin auf; deren dortiges Ranking kann sich jedoch durch die Abkehr von Google News deutlich verschlechtern. (tfb)

News-Inhalte von Globo.com sind bei Google News weiterhin zu finden / Screenshot 21.10.2012

News-Inhalte von Globo.com sind bei Google News weiterhin zu finden / Screenshot 21.10.2012

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