Hamburger Otto-Gruppe baut Engagement in Brasilien aus

Web-Shop von Ottos Partner in Brasilien Posthaus / Screenshot posthaus.com.br

Das Hamburger Versandhandelsunternehmen Otto will nach Brasilien expandieren und in 2015 einen Umsatz von 500 Millionen Euro vor Ort erzielen und damit Marktführer im Bereich Kleidungsversand werden. In Russland ist Otto bereits das führende Unternehmen im Distanzhandel. Nun hat Otto mit dem brasilianischen Versandhändler Posthaus (klingt deutsch, ist aber ein brasilianisches Unternehmen) das Joint-Venture DBR („Deutschland Brasilien“) gegründet, welches das gemeinsame E-Commerce-Geschäft in Brasilien vorantreiben soll. Außerdem startete der von der Otto-Gruppe geführte Internet-Dienstleister Hermes NexTec auf dem brasilianischen Markt.

Otto-Vorstandsmitglied Hanjo Schneider geht davon aus, dass die Otto-Gruppe sich innerhalb von fünf Jahren als Marktführer in Brasilien etabliert. Durch die Kooperation mit Posthaus verspricht sich Schneider eine optimale Startposition. Einen besseren Partner für eine Zusammenarbeit könne man sich nicht wünschen, denn beide Unternehmen hätten ihre Stärken im Versand- und Onlinehandel.

Posthaus wurde 1983 als Familienunternehmen gegründet und vertreibt über Kataloge, die mit einer Auflage von 11.000 Exemplaren gedruckt werden, Textilwaren aus Blumenau (eine Stadt mit starker deutscher Einwanderung, Bundesstaat Santa Catarina) und der Umgebung. Dazu errichtete das Unternehmen ein modernes Versandzentrum und baute ein breites Netz von Distributoren und Resellern im ganzen Land auf. Seit 2000 engagiert sich Posthaus auch mit einem eigenen Online-Shop und gründete 2008 einen Marktplatz im Web, auf dem sowohl eigene Produkte als auch Waren von zur Zeit rund 30 Partnermarken angeboten werden.

Mit der Gründung des Internet-Serviceunternehmens Hermes NexTec sichert sich die Otto-Gruppe einen weiteren Bereich in Brasilien, denn der Vertrieb von Kleidung und anderen Produkten über das Internet steht in Brasilien noch am Anfang. Der Dienstleister NexTec soll in diesem Rahmen Unternehmen beim Aufbau ihres eigenen Online-Shops unterstützen. Dabei reicht die Unterstützung von der Zurverfügungstellung eines Web-Shops über das Marketing und die Distribution bis hin zum Kundenservice.

In Brasilien ohne starken Partner Fuß zu fassen, sei schwer, sagt Otto-Vorstand Hanjo Schneider gegenüber der Fachzeitschrift Internet World. Diesen Weg jedoch gehen die Konkurrenten des deutschen Investors Rocket Internet mit dem brasilianischen Zalando-Klon Dafiti – und das mit Erfolg. Bereits sechs Monate nach dem Launch hat Dafiti Posthaus als größten Online-Textilhändler überholt. Das Investment von Rocket Internet in Dafiti wird bislang auf rund 20 Millionen US-Dollar beziffert. Schneider sieht die Konkurrenz in Brasilien jedoch gelassen: „Ob ich in einem Land, das so wächst, als Nummer zwei, drei oder vier profitabel bin, ist mir total egal“, ist er überzeugt. Otto sei kein Venture Capitalist, sondern müsse die Geschäfte profitabel betreiben.

Schon 2011 setzte Otto mit dem Kauf von 60 Prozent der Anteile an Hoepers Recuperadora de Crédito S.A., einem der drei größten Inkasso-Unternehmen Brasiliens, ein Zeichen in Richtung Expansion auf dem brasilianischem Markt. Mit der Gründung von NexTec und der Partnerschaft mit Posthaus kann das Unternehmen nun in den drei Segmenten Internet-Einzelhandel, Service und Finanzdienstleistungen agieren. (tfb)

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