Kiosksterben in São Paulo

Typischer brasilianischer Kiosk / Copyright: Besser International/Ruy Barbosa

Typischer brasilianischer Kiosk / Copyright: Besser International/Ruy Barbosa

Neue Verkaufsstellen, technologischer Wandel und eine veraltete Gesetzgebung führen in São Paulo zu einem Rückgang von Zeitungs- und Zeitschriftenkiosken. Die Verlage machen sich Sorgen um ihre Einzelverkäufe.

Pro Werktag muss in São Paulo ein Kiosk schließen oder ist von Schließung bedroht. Das zeigen Daten des Verbandes der Verkäufer von Zeitungen und Zeitschriften in São Paulo (Sindicato dos Vendedores de Jornais e Revistas de São Paulo, kurz: SindjorSP). In 2007 hatte São Paulo noch mehr als 5.000 Kioske. Heute sind es weniger als 3.900.

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig: ein verändertes Leseverhalten hin zu elektronischen Medien sowie neue Verkaufsstellen in Supermärkten, Buchhandlungen und Convenience-Stores. Einen großen Einfluss haben laut SindjorSP jedoch die Gesetze und Aktivitäten der Stadt, die nicht mehr zeitgemäß seien.

Das Gesetz, welches die Einrichtung von Kiosken in São Paulo regelt, stammt aus dem Jahr 1986, wurde seit dem nicht aktualisiert und enthält eine Reihe von Lücken. So erlaubt das Gesetz den Verkauf von VHS-Kassetten, jedoch nicht von DVDs; Busfahrkarten dürfen verkauft werden, allerdings keine Netzfahrkarten; Telefonzellenmünzen sind erlaubt, aber keine Telefonkarten usw.

Für die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage ist das Kiosksterben eine Herausforderungen, insbesondere für diejenigen, die stark von den Einzelverkäufen abhängen. Der Rückgang der Kioske führt zum Teil zu überfüllten Verkaufsräumen und zu einer schwierigeren ausgewogenen geografischen Verteilung von Verkaufsstellen.

Die Strategie dieser Verlage ist es nun, verstärkt auf alternative Point-of-Sales zu setzen: Bäckereien, Cafés, Tankstellen, Supermärkte, Kioske in Shopping-Centern. Allerdings seien die klassischen Kioske immer noch der wichtigste Verkaufskanal. Daher muss es auch darum gehen, neue Verkaufskanäle mit Vorsicht einzurichten, um nicht einen Teufelskreis auszulösen, der zu einem weiteren Kiosksterben führt. (tfb)

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