Smartphones und Tablets auf Einkaufsliste von Brasiliens Slum-Bewohnern

Favela in São Paulo / Copyright: Cifotart - Fotolia.com

Favela in São Paulo / Copyright: Cifotart – Fotolia.com

Mit einer steigenden Anzahl von Modellen und sinkenden Preisen werden Smartphones und Tablets auch zunehmend von den ärmsten brasilianischen Bevölkerungsschichten, die oftmals in Slums – sogenannten Favelas – leben, gekauft. Bereits jeder fünfte Favela-Bewohner verfügt über ein Handy mit Internetzugang.

Das zeigt die Studie „Konsum in brasilianischen Favelas“ des zur Data Popular-Gruppe gehörenden Marktforschungsinstitutes Data Favela, das sich auf die armen Bevölkerungsschichten spezialisiert hat. Teile der Untersuchung wurden jetzt in der brasilianischen Wirtschaftszeitung Valor veröffentlicht. Für die Studie wurden 2.000 Personen in 63 Favelas in zehn brasilianischen Bundesstaaten befragt.

„Das Smartphone ist eindeutig ein Massenprodukt“, sagt Renato Meirelles, Chef von Data Popular, „und Tablets bewegen sich in die gleiche Richtung.“ Laut Meirelles planen 10% von den 11,7 Millionen Favela-Bewohnern den Kauf eines Tablets innerhalb der nächsten 12 Monate. Es gibt in Brasilien schätzungsweise 2.000 Favelas mit einem Gesamtmarktvolumen von im Jahr 63 Milliarden Real (circa 21 Milliarden Euro).

Die Nutzung von Mobiltelefonen und Tablets ist auch der größte Antreiber für die Internetnutzung in den Slums. Fast die Hälfte der dortigen Bevölkerung geht mobil online, sei es per „normalem“ Handy, Smartphone oder Tablet; Tendenz steigend.

Laut der Studie haben 85% der Favela-Bewöhner ein Mobiltelefon, von denen 25% zwei oder mehr SIM-Karten haben (was ein für Brasilien typisches Phänomen ist, um so günstiger zwischen den gleichen Anbietern sprechen zu können), 90% telefonieren über Pre-Paid-Tarife.

Die führenden Provider sind OI und TIM, die günstigere Preise für Telefonate zwischen verschiedenen Bundesstaaten anbieten. Das ist für Favela-Bewohner attraktiv, da sie oft aus einer anderen Region migriert sind. So haben beispielsweise 65% der Bewohner von Slums im Südosten Brasiliens Verwandte im Nordosten des Landes.

Von denjenigen, die Internetzugang haben, gehen einer von vier Slum-Bewohnern jeden Tag online und mehr als die Hälfte geht mindestens einmal im Monat ins Internet. (tfb)

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